Mimose
Renate Jantschitsch
Renate Jantschitsch

Zert. Kinesiologin, 2-fach Mädls-Mama, vielseitig interessiert, hochsensitiv, Manifestierender Generator 4/6

Sei nicht so sensibel! – Warum eigentlich nicht?

„Jetzt sei net so empfindlich!“
„Die schon wieder, jetzt „reat“ (weint) sie schon wieder/immer noch…“
„Reiß di zamm..“

In meiner Kindheit habe ich diese oder ähnliche Worte oft genug gehört. Kaum wurde ich in den Augen der Umstehenden auch nur „falsch“ angeschaut/angeredet, angegriffen, Forderungen an mich gestellt etc. ging das Häferl schon wieder über – so pflegte man zu sagen.

„Jetzt ist aber genug!“

Na, das werde ich wohl besser wissen, wann es reicht!

Warum darf ich nun nicht „so“ sensibel sein?

Gott sei Dank gab es auch für mich sehr wichtige Menschen, die mir nahe gelegt haben, diese Seite in mir nicht zu verleugnen – im Gegenteil, sie weiterhin zuzulassen und zu zeigen.

Trotzdem habe ich mir mit der einen Schutzpanzer zugelegt, der diesen weichen Kern in mir, so gut es eben geht, abschirmt. Natürlich hilft er nur bedingt und meine Emotionen nahmen ihren Lauf, wenn mein Herz von tiefer Trauer und Schmerz, aber auch von Glücksgefühlen und Freude übermannt wurde.

Ich habe irgendwann begriffen, warum ich nicht so sein soll.

Viele andere Menschen können damit nicht umgehen!

Jeder lebt mit seiner Art von Normalität – teils angeboren, teils vorgelebt und teils, weil es halt auch grad trendig ist.

Aber, dass mit dem ich lebe, was ich wie empfinde und spüre ist nicht zwangsläufig für jeden Menschen in diesem Ausmaß verfügbar.

Wir sind wirklich einzigartig!

Die ein und dieselbe Welt wird von jedem von uns ganz unterschiedlich wahrgenommen. Alles was gesprochen wird, wird durch unterschiedliche Kanäle in uns gefiltert und im Gehirn entsprechend interpretiert. So kommen mitunter ganz schöne Missverständnisse zusammen, die nur auf einem Interpretationsirrtum beruhen.

Dieser Umstand allein bietet schon für jeden Menschen von uns täglich eine große Herausforderung. Aber irgendetwas scheint mit mir ja wohl nicht zu stimmen, da ich ja so zimperlich bin!

Bloß ich bin es nun mal. Es gibt keinen Hebel, den ich einfach so umstellen kann und jetzt ticke ich wie die Umgebung es von mir will.

Ich bin wohl hochsensibel.

Irgendwann tauchte dann der Begriff „hochsensibel“ auf. Könnte ich das etwa sein? – Nein, sicher nicht, das denke ich nur, um irgendwo dazuzugehören. Und trotzdem finde ich mich in vielen Belangen darin wieder – aber eben nicht in allen. Also doch nur Hirngespinst.

Mit den Jahren wurde ich aber immer überzeugter, dass ich wirklich betroffen bin. Durch viele unterschiedliche Zugänge habe ich viel über mich gelernt (Human Design Systems), mein Urvertrauen gestärkt und versucht, dieses Besondere in mir so leben zu lassen, wie es mir gut tut!

Hochsensitive Menschen

haben ihre Filter anders eingestellt – es kommt eine Lawine an Informationen=Reizen auf sie zu, mit denen nur schwer umzugehen ist. Von betroffenen Menschen wird diese Fähigkeit anfangs sicher meist als Fluch angesehen, da sie erst lernen müssen, damit richtig umzugehen.

Beispiel

In der Filmreihe X-Men wird das beim Charakter Charles Xavier alias Professor X sehr gut veranschaulicht. Er kann als Telepath quasi in seinem Kopf zu hören, was alle anderen Menschen denken, fühlen, was sie antreibt. Im Gegenzug hat er seine Fähigkeit genutzt und gelernt auch Gedanken wieder zu übertragen.

Allein die Vorstellung, ich bin von 2 Menschen umgeben und empfange ständig deren Gedanken und Monologe, ist schon krass. Die eigenen kommen auch noch dazu – wie geht man damit um? Dann kommen noch mehr Menschen, immer mehr „ungewollte“ Infos strömen auf mich ein!

Versuch dir das einmal vorzustellen! Es ist nicht verwunderlich, dass hochsensitive Menschen einfach nur weg wollen, fort aus der Masse, allein sein möchten, in Tränen ausbrechen, weil sie sich einfach machtlos ausgeliefert fühlen….

Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich auf dieses Buch von Birigt Trappmann gestoßen bin: „Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal – Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung“.

Überzeugter kann ich  nun nicht mehr werden – ja, ich bin hochsensitiv und ich muss nicht alle Parameter erfüllen, kann ich gar nicht. Einmal mehr zeigt dieses Buch auf, wie viele Varianten vom Menschsein es geben kann. Jeder ist viel mehr, als wir bewusst/unbewusst wahrnehmen können.

Unterschiedliche Wahrnehmungs-/Denkstile, Empathiefähigkeiten, Denker oder Handler ganz zu schweigen von den persönlichen Erlebnissen und Herausforderungen, die wir zu meistern haben – alles das macht uns aus, darin liegen unsere Kompetenzen (oft verborgen)!

Hochsensitiv - Einfach anders und trotzdem ganz normal
Birgit Trappmann-Korr
ISBN-10: 3867310602
ISBN-13: 978-3867310604

In diesem Buch wird alles sehr leicht und verständlich erklärt – ich finde mich hier wieder.

Für Menschen ist es garantiert ein sehr interessanter Weg, sich in die Thematik Hochsensivität hinzubegeben. Ich kann zwar nicht abschätzen, wie sich das für Menschen anfühlt, bei denen gewisse Anlagen nicht so ausgeprägt sind, aber es gibt definitiv mehr Variaten vom Sein, als in systematisches Schubladendenken hineinpasst.

Die Kunst hochsensitiver Menschen liegt darin, die eigenen Fähigkeiten anzunehmen und zu lernen richtig damit umzugehen, sie richtig einzusetzen.

Dann werden die Fähigkeiten zum Segen.

Beispielsweise kann sich ein hochsensitiver Mensch gut in andere Menschen hineinversetzen, spürt „dessen“ Leben quasi, weiß instinktiv wo es hakt u.s.w. und hat so die Möglichkeit, diesen Menschen wirklich zielgerichtete Hilfe anzubieten. Hochsensitive Menschen sind gute Berater und Coaches.

Hochsensitivität hat aber nicht nur mit Einfühlungsvermögen zu tun, oft geht auch eine Hochbegabung damit einher. Dabei ist es auf den ersten Blick oft schwer einen HSPler (Highly Sensitive Person) zu erkennen.

Alles ist dabei:

  • hyperaktives Verhalten
  • introverte Mechanismen
  • impulsives Agieren
  • Hochbegabung
  • extreme Unaufmerksamkeit (nicht zu verwechseln mit echtem ADHS)
  • hohe Schmerzempfindlichkeit (allein ein Etikett kann das auslösen)
  • Lichtempfindliche Augen
  • Launenhaftigkeit (z.B. bereits durch starkes Hungergefühl ausgelöst)
  • hohe Geräuschempfindlichkeit
  • und einiges mehr…

Oft genug wissen Betroffene aber gar nicht, was es mit ihrem „aus dem Rahmen fallen“ auf sich hat, bleiben damit überfordert und versuchen immer mehr, diese Fähigkeiten zu ignorieren. Sie leben eigentlich nicht ihr eigenes Leben, ihre Bestimmung. Daraus können sich dann wiederum wirkliche körperliche oder psychische Probleme ergeben.

Ist nun die Mehrheit der Menschen anders gepolt als reizoffene Menschen, so ist es auch kein Wunder das mit plötzlichen Gefühlsausbrüchen, Reaktionen nicht umzugehen gewusst wird.

Deswegen die Aufforderung: „Sei nicht so sensibel!“

 

Trotzdem sind doch rund 20% der Menchen mit hochsensitiven Merkmalen lebend.

Immer mehr Menschen widmen sich diesem Thema. Meist selbst betroffene, die so ihre Potentiale leben können.

So auch z.B. M.A. Melanie Hackl aus Graz, die speziell für den Famillienalltag mit hochsensitiven Familienmitgliedern einen Austausch bzw. gegenseitige Stärkung anbieten.

Auch ich selbst lebe nun sehr gut mit meinen Fähigkeiten und helfe gerne anderen HSPs, ihren Weg zu finden.

 

Für alle, die sich selbst hier wiederfinden oder näher mit diesem Thema befassen möchten – hier einige interssante Seiten aus dem Web:

Institut für Hochsensitivität &  Hochbegabung von M.A. Birgit Trappmann-Korr

www.hochsensitiv.net/

www.hochsensibilitaet.at/

www.zartbesaitet.net

 

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